“Hallo, Mädels!”

Oder: Die Abenteuer der Fahrt zur Preisverleihung (16.06.2005)

 

1. Akt: Exposition

Zwei Wochen vor der Preisverleihung hat die AG Gesellschaftstanz von ihrem Gewinn und der Einladung nach Berlin erfahren. Nach zahlreichen Mails, kurzfristigen Organisationen, vielen (Telefon-)Gesprächen zwischen möglichen Mitgliedern der Abordnung und mit Herrn Bleck, interessanten Erfahrungen mit der Internetseite der DB, nach dem erfolgreichen Buchen der Tickets bei einer sehr freundlichen Dame im Servicezentrum… sind am 16.06.2005 sechs Personen nach Berlin gereist. Nach einer problemlosen Anfahrt (Abfahrt 4:44) waren wir bereits gegen 10 Uhr dort und haben zunächst die Stadt besichtigt.

 

 

2. Akt: Konflikte bahnen sich an.

Mit der irrtümlichen Annahme, wir könnten am Nachmittag schnell unsere Zimmerschlüssel erhalten, sind wir zu unserem Hostel (vornehmer Ausdruck für Jugendherberge) gefahren.

Sabine Adam: “Guten Tag. Sabine Adam. Wir kommen von der AG Gesellschaftstanz der Marienschule Euskirchen. Die Zeitschrift ‘das zeitbild’ hat für uns Zimmer reserviert.”

1. Rezeptionsfrau: “Marienschule… Ich habe hier 16 Personen im Computer. Dann müssen Sie auf die anderen Personen warten.”

Damit konnte nur Pink Point gemeint sein, von denen ursprünglich sieben Personen fahren sollten. Auch wenn uns nicht klar war, warum wir keine Schlüssel bekommen konnten, wenn doch die Zahl der Mädchen und Jungen und die Zimmer feststanden, haben wir ungeduldig gewartet und weitere Informationen gesammelt. Im Hostel waren nur vier Jungen angemeldet. Das reichte nicht für Pink Point und die AG. Uns schwante nichts Gutes.

Nach 1 1/2 Stunden kam die Abordnung von Pink Point, die auf 16 Personen angewachsen war. Als wir daraufhin erneut unsere Schlüssel verlangt haben, hieß es nur:

2. Rezeptionsfrau: “Tanz-AG? Sagen Sie das doch direkt!”

Wir bekamen tatsächlich zwei Schlüssel: einen für ein Betreuerzimmer (Sabine) und einen für ein Achterzimmer, in dem laut Hostelpersonal die fünf weiblichen Gäste namens Mechthild, Christoph, Florian, Peter und Thomas schlafen sollten (“Hallo Mädels!”). Da im Betreuerzimmer vier Betten standen, haben dort die beiden richtigen Mädchen geschlafen, im Achterzimmer die falschen.

Wir mussten in einem Formular eintragen, in welchem Zimmer wer schläft. Irritiert hat uns, dass auf diesem Blatt “Realschule Linnich” stand. Fairerweise haben wir das und die Belegung des Achterzimmers mit Jungen an der Rezeption verkündet.

2. Rezeptionsfrau: “Das macht nichts. Die Gruppe aus Linnich besteht auch aus 6 Personen.”

Wie später deutlich wurde, war das doch nicht so egal.

Am Nachmittag hat das Betreuerzimmer (weiblichen) Zuwachs bekommen. Der dritten Person war übrigens ein Einzelzimmer versprochen worden.

 

3. Akt: Höhepunkt in der Nacht

Nach einem Besuch in der hauseigenen Karaokebar, der für uns Lästermäuler sehr erheiternd war, sind wir schlafen gegangen. Die Bewohner des Betreuerzimmers haben erst am nächsten Morgen erfahren, was sich bei den Jungen abgespielt hat.

Dort (1. Zimmer im Flur) hat gegen 0:30 ein Nachtwächter an die Tür geklopft und nach der Zahl der freien Betten gefragt. Thomas hat geöffnet, “vier” geantwortet und sich wieder hingelegt. Daraufhin wurden vier Mädchen (!) in ihr Zimmer gesteckt (“Hallo Mädels!”). Florian hat nach eigener Aussage etwas später kurz die Augen geöffnet, sich über Mädchen in Unterwäsche gewundert und ist wieder eingeschlafen.

Nach wenigen Minuten war den neuen Mitbewohnern klar, dass ein Kopfkissen fehlte. Dieses wurde auch sofort bestellt und mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit bereits um 6 Uhr von einer Person geliefert, die der Anblick von Jungen und Mädchen in einem Raum doch sichtlich irritiert hat.

Auch den Mädchen ist erst am Morgen bewusst geworden, dass sie ihr Zimmer mit Jungen teilen. Übrigens sollten die Mädchen aus Linnich stammen. Wir hatten daher den (falschen) Verdacht, dass dieser Ort nicht existiere und nur ein Synonym für “verschlampte Buchung” sei.

 

4. Akt: Wende zu einem guten Ausgang?

Nach ein paar Überlegungen zu den Bezeichnungen “weibliche / männliche Dusche” sind wir am nächsten Morgen zum Frühstück geeilt. Unsere Vorstellung, dass an der Tür zum Frühstücksraum die Märkchen eingesammelt würden und man sich dann aber satt essen könne, wurde bitter enttäuscht. Zunächst haben wir uns in eine lange Wartereihe gestellt. Dort wurden bereits die Märkchen einkassiert (Erstaunlicherweise hatte jeder von uns eines erhalten.). Viele Minuten später waren wir bis zum Frühstücksbuffet – wenn man es denn so nennen kann – vorgerückt. In einer Hand hatten wir einen Dessertteller mit weichen Brötchen (vom Vortag?), Aufschnitt, etc., in der anderen ein Glas Saft oder eine Tasse Kaffee oder Tee. Da die dritte Hand für das Müsli fehlte, musste es auch noch auf den Dessertteller. Damit reduzierte sich die Menge des transportierbaren Essens merklich. Ein erneutes Anstellen war ohne Märkchen nicht möglich. So blieb uns nichts anderes übrig, als mehr oder weniger gesättigt über das Frühstück zu lästern. So wurden zum Beispiel erneut Märkchen kontrolliert:

Frühstückskontrolleurin: “Habt ihr alle eure Märkchen abgegeben?”

Wer sagt da schon nein, wenn er die Möglichkeit hat, zwei Gläser Saft, zwei Müslis, etc. zu bekommen?

Zur allgemeinen Erheiterung hat sich die “Betreuerin” Sabine anschließend an der Rezeption darüber beschwert, dass mitten in der Nacht bei ihre Jungen Mädchen gesteckt wurden.

Rezeptionsmann (achselzuckend): “Das kommt schon mal vor.”

Gemischte Zimmer scheinen in diesem Hostel normal zu sein, wenn gerade noch ein paar Gäste untergebracht werden müssen.

Um 10 Uhr sollten wir mit einem Bus abgeholt werden. Der Bus war auch da, allerdings bereits voll. Ein erster Bus soll nach Vermutung des Fahrers halb leer abgefahren sein. Einen weiteren Bus für die etwa 50 wartenden Personen hat er vergeblich angefordert. Also haben wir uns hineingequetscht. Obwohl der Bus außen gut aussah, war er innen reif für den Abstellplatz. Sogar der sehr humorvolle Busfahrer hat die ganze Fahrt über sein Fahrzeug gelästert, das sein Unternehmen am Morgen extra irgendwo abgeholt habe und das sonst nicht eingesetzt werde.

 

5. Akt: Happy End

Die Preisverleihung ist sehr gut verlaufen. Es waren genügend Stühle da, wir haben einen Hauptpreis gewonnen, die Reden waren kurz und nicht langweilig, das Buffet war lecker, wir konnten uns richtig satt essen. Die etwas jüngeren Gäste waren begeistert von den beiden Moderatoren Inez Björg David und Stefan Kirch, die Schauspieler in “Verbotene Liebe” sind, haben sich Autogramme geholt und sich mit ihnen fotografieren lassen.

Während die Abordnung von Pink Point mit dem Bus zurückgefahren ist, mit dem eine Klasse 10 in Norddeutschland unterwegs war, sind vier von uns gemütlich mit dem ICE gefahren, zwei geflogen. Letztere hätten beinahe ihren Flieger verpasst, weil sich eine Bahn zum Flughafen unbemerkt an ihnen vorbeigeschlichen hat. Die Fahrt mit dem ICE verlief ohne Probleme, aber bei ihr hatte das Hostel seine Finger auch nicht mit im Spiel. Auch wenn wir diese Unterkunft nicht weiterempfehlen können, haben wir alles mit Humor genommen und Berlin genossen, so dass ein positiver Effekt bleibt: So viel Spaß hatten wir schon lange nicht mehr!

 

Fotos “Spaß in Berlin”