Die AG – Pädagogisches Konzept

Wie unter “Die AG – wir stellen uns vor” angedeutet wird, bietet die AG Gesellschaftstanz keinen reinen Tanzunterricht. Die Konzeption ähnelt vielmehr dem in den USA vor allem an sogenannten “Problemschulen” weit verbreiteten Projekt “Dancing Classrooms”, das von Pierre Dulaine gegründet wurde und durch die beiden Filme “Mad Hot Classrooms” und “Dance!” bekannt geworden ist, auch wenn es an deutschen Schulen noch nicht sehr stark verbreitet ist.

Natürlich steht zunächst einmal der Spaß am Tanzen im Vordergrund. Das soll auch so bleiben! Aber nebenbei werden viele andere Ziele verfolgt, die durchweg unbewusst erreicht werden.

Es ist allgemein bekannt, dass das Tanzen gesund ist. Zahlreiche Studien belegen, dass sich Jugendliche heute durchschnittlich weniger bewegen als frühere Generationen. Wer nicht tanzt, mag dies nicht glauben, aber Tanzen ist sehr anstrengend und fördert die Kondition. Alle Muskelgruppen werden gestärkt, Tänzer entwickeln ein neues Körpergefühl  und fördern den Gleichgewichtssinn. Zudem wird eine aufrechte Körperhaltung trainiert, die gut für den Rücken ist und nebenbei optisch ein sicheres Auftreten unterstützt.

Bei den Treffen der AG Gesellschaftstanz begegnen sich Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen und Schulformen, sodass schulübergreifende soziale Kontakte entstehen. Die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund wird gefördert, schließlich kommt das Tanzen (fast) ohne Worte aus. So sind schon mehrfach Jugendliche mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund gekommen, die nur wenig Deutsch sprechen konnten, aber dennoch problemlos mittanzen konnten. Partnerwechsel können die bei allen größeren Gruppen vorhandene Aufsplitterung in kleine Freundeskreise und deren Abgrenzung voneinander auflösen, was vor allem bei der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulen hilfreich sein kann.

Das Tanzen selbst fordert und fördert bestimmte Verhaltensweisen. Damen sollen sich führen lassen, dafür müssen sie ihrem Tanzpartner vertrauen. Dieser muss sich dieses Vertrauen durch Respekt und Rücksichtnahme erarbeiten. Einerseits müssen die Tänzer Nähe zulassen, andererseits aber auch eine gewisse Distanz wahren. Wechselnde Tanzpartner verlangen immer wieder ein neues Eingehen auf den jeweiligen Partner. Auf der Tanzfläche ist in der Regel kein Tanzpaar völlig alleine, so dass bei der Ausführung von Figuren der Platzbedarf der anderen Paare berücksichtigt werden muss. Tänze, die in einer Gruppe ausgeführt werden, unterstützen diesen Effekt. So muss zum Beispiel bei einer Polonaise das erste Paar sein Tempo ständig an die folgenden Paare anpassen. Bei Rueda de Casino, einem auf Salsa basierenden Formationstanz, muss derjenige, der Figuren ansagt, stets darauf achten, ob alle im Takt sind, bevor er eine neue Figur ankündigt, die natürlich auch allen bekannt sein muss.

Der Inhalt vor allem der Fortgeschrittenenkurse richtet sich nach den Wünschen der Jugendlichen. Die gesamte Gruppe muss sich also auf einen Kurs einigen, die Jugendlichen trainieren die gewaltfreie Argumentation, um ihre Wünsche zu vertreten, demokratische Abstimmungen, das Aushandeln von Kompromissen und auch das Akzeptieren einer Überstimmung oder Überzeugung durch andere Jugendliche. Die AG Gesellschaftstanz leistet somit einen Beitrag zur Gewaltprävention.

Gesellschaftstänze verlangen Konzentration und Körperbeherrschung. Möglicherweise ist dies die Erklärung dafür, dass bei den Tanzveranstaltungen der AG noch nie Jugendliche durch übermäßigen Alkoholkonsum aufgefallen sind. Party und Spaß sind eben auch ohne exzessiven Alkoholgenuss möglich!

Bisher konnten allen Jugendlichen zumindest die Grundlagen des Tanzens vermittelt werden. Schüler, die im Unterricht oft zurückhaltend sind, treten beim Tanzen teilweise regelrecht aus sich heraus. Dieser Erfolg steigert das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl.

Die AG Gesellschaftstanz leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Jugendarbeit in Euskirchen.